WerbeWoche Interview, Jan 15 2016

An Smartphone und Tablet führt kein Werbeweg vorbei. Warum, weiss Mobile-Spezialist Robin Wirz.

MobileMomentsInterview

Drei Stunden und 26 Minuten verbringen 16- bis 24-Jährige täglich online an mobilen Bildschirmen! Bei den 55–64-Jährigen sind es 0.58 Stunden – immerhin, Tendenz steigend (Quelle: globalwebindex.net/trends). An Smartphone und Tablet führt 2016 kein Werbeweg vorbei. Die Werbewoche im Gespräch mit Robin Wirz, Spezialist für mobile Applikationen und CEO von Terria Mobile mit Sitz in Basel.

WW: Welche App hast du 2015 – E-Mail ausgenommen – am häufigsten genutzt?
Robin Wirz:Das war die Kamera, oder eine der Reise-, News- oder Social-Media-Apps.

Robin, was war dein erstes Lieblings-App?
Am Anfang Google Maps zur Navigation, dazu kleine Helferlein, die Gerätefunktionen clever nutzen, etwa die Wasserwaage und die Fotobearbeitung.

Ihr seid ein mehrfach prämiertes Start-up. Euer Erfolgsrezept?
Seit Gründung 2011 konzentrieren wir uns zu 100 % auf «mobile» und sind hier täglich an vorderster Front dabei. Wir haben auch seit unserem Beginn in die Entwicklung einer Technologie investiert, die es erlaubt, mobile Erlebnisse und sogenannte «Mobile Moments» nicht nur zu schaffen, sondern auch zu verwalten.

Mobile Moments – klingt spannend.
Ja, dahinter steckt eine neue Marketingphilosophie. Unternehmen erweisen Nutzern Dienste, die auf ganz bestimmte Bedürfnismomente innerhalb eines Erlebnispfades ausgerichtet sind. Die App kann dabei je nach Moment völlig anders aussehen. Hauptsache, dem Kunden ist situativ geholfen.

Worin besteht die Kunst der Mobile- Moments-Kreation?
Es sind drei Kunststücke in einer Vorführung. Den Moment identifizieren, das Angebot aufbereiten und die Inhalte ausliefern. Alles in Echtzeit und 100 % bedürfnisbezogen. Einige Airlines sind schon sehr gut darin. American Airlines lohnt sich anzuschauen.

Welche typischen Ziele verfolgt man mit einer Mobile App?
Es geht darum, den Kunden in die mobile Welt zu folgen und da die vielen, auch kreativen, Möglichkeiten der Präsentation zu nutzen sowie Prozesse aller Art zu vereinfachen. Alle Bereiche profitieren: Kommunikation, Verkauf, Messemarketing, Events etc. Die Nutzung der Geräteeigenschaften wie Kamera, GPS und Sensoren, im Zusammenspiel mit angereicherten Daten über Präferenzen aus dem Content-Management-System, er- möglichen die Schaffung neuer Angebote, Services und Erlebnisse.

Web-App vs. Mobile App – erkläre uns bitte den Hauptunterschied:
Eine Web-App ist technisch gesehen eine mobile Internetsite mit allen Vor- und Nachteilen. Mobile Apps sind schneller, ermöglichen die Nutzung der Gerätefunktionen und auf die Power von Push-Notifications möchte ich als Marketer keinesfalls verzichten. In der Summe lassen sich so mit Mobile App bis auf Weiteres überzeugendere Erlebnisse kreieren.

Simon Muster von Maxomedia sagt aber im Werbewochen-Trendbarometer, dass es in Zukunft webbasiert ablaufen wird.
Mobile-Web-Technologien entwickeln sich in der Tat rasant. Das tun aber auch die mobilen App-Technologien. Sie sind bei innovativen Funktionen nach wie vor tonangebend. Das Standardisierungsprozedere von HTML wird weiterhin dafür sorgen, dass Web-App-Technologien den herstellergetriebenen Mobile-App- Technologien hinterherhinken. Wir bei Terria Mobile arbeiten meist mit einem «hybriden» Ansatz, der die Vorteile von HTML nutzt und mit nativen App-Technologien ergänzt, um so- mit das beste beider Welten zu vereinen.

Ihr habt mit «LaunchBase» ein eigenes Management-System für mobile Apps. Was muss ein solches System können?
Man muss damit überzeugende mobile Erlebnisse schaffen und Apps einfach verwalten können. Konkret geht es um Erfordernisse wie Content-Management, Zugriffsverwaltung, Datenanalyse sowie um die Möglichkeit, Inhalte aus bestehenden Datenquellen zu beziehen und entsprechend aufzubereiten.

Worauf sollte ich bei der Wahl des Entwicklungspartners besonders achten?
Mobile ist eine eigene, hoch dynamische Welt. Ein mobiler «Abklatsch» anderer Konzepte funktioniert selten. Wichtig ist ein Partner, der diese Welt und seine Möglichkeiten kennt, der konzeptionell stark ist und der die technischen Fähigkeiten zur makellosen und effizienten Umsetzung besitzt, auch über den ersten Launch hinaus.

Welches sind die wichtigsten Schritte bei der App-Entwicklung?
Man folgt den klassischen Schritten von Bedarfs- und Zielerfassung, Budgetfestlegung, User-Experience-Design und Umsetzung. Ich empfehle einen Prozess mit kleinen «agilen» Schritten. Man ist so schneller und kann auch rascher auf neue Entwicklungen und Präferenzen reagieren.

Was sind die wichtigsten Trends für die nächsten 48 Monate?
Internetnutzung wird zunehmend dominanter, das Marketing wird folgen. Neue Ideen und neue Möglichkeiten, ich denke an das Internet der Dinge, werden neue Geschäftsfelder öffnen. Für bestehende und neue Player. Mobile Moments und Big Data werden das Marketing zunehmend personalisieren. Virtual Reality wird noch etwas Zeit benötigen. Die Apple Watch wird besser.

Quelle: www.werbewoche.ch

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