von Robin Wirz (Gastautor), Netzwoche vom 16 April 2014

Mobile_Experience_Management_App_Netzwoche

Die User Experience ist zentral für eine erfolgreiche App. Mobile Nutzer sind sehr anspruchsvoll. Nur ein gutes Design allein reicht nicht aus, auch die technische Infrastruktur und die internen Prozesse müssen für ein professionelles Mobile Experience Management gerüstet sein.

Mobile Apps sind mittlerweile auch in der Geschäftswelt allgegenwärtig. Eingesetzt werden sie im Marketing und Verkauf, aber auch als interne Informationskanäle und zur Prozessoptimierung. Für alle Apps gilt: Die User Experience entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Die Messlatte liegt sehr hoch, denn Apple & Co. legten von Anfang an grossen Wert auf die Usability, wodurch die Nutzer heute hohe Erwartungen an eine App stellen. Während ein gutes Design eine unverzichtbare Basis ist, sind jedoch weitere Anstrengungen nötig, um ein attraktives, mobiles Erlebnis zu gewährleisten. Eine entsprechende Infrastruktur und agile Prozesse helfen dabei.

Apps müssen wissen, was der Nutzer will

Eine App muss schnell und intuitiv bedien- bar sein, sonst wird sie nicht benutzt. Gutes Design ist schlank und hält sich an Konventionen, die die Nutzer schon gewohnt sind. Die App soll bereits mit dem ersten Antippen einen Nutzen erfüllen. Denn der Zweck mobiler Apps ist es ja gerade, die gewünschten Informationen und Funktionen sofort und überall zur Hand zu haben. Sei dies im Tram, in einer Sitzung oder im Gehen. Häufig wer- den Apps nebenbei genutzt, wodurch die Konzentration verringert ist. Apps sollten da- her schon beim Starten wissen, was der Nutzer will – beispielsweise aufgrund des Standorts, der Uhrzeit oder der früheren Nutzung – und die relevanten Inhalte und Funktionen auf Nutzer und Situation personalisiert anzeigen.

Um die wirklich wichtigen Informationen rasch zu erhalten, gilt es auch, die entsprechenden Inhalte schnell zur Verfügung zu stellen. Im Geschäftsumfeld bedeutet dies, bestehende Backend-Systeme mobiltauglich zu machen. Die entsprechenden Systeme sind jedoch meist nicht auf mobile Gegebenheiten ausgelegt. So kommt es, dass viele Apps zwar im WLAN ansprechend funktionieren, aber unterwegs langsam bis unbrauchbar sind. Da kann auch das beste Design die User Experience nicht mehr retten. Um immer und überall ein mobilgerechtes Nutzererlebnis bieten zu können, müssen Apps auch auf langsame Internetverbindungen ausgelegt sein. Sie sollten bereits offline gut funktionieren und die Inhalte so schlau synchronisieren, dass der Aktualisierungsprozess möglichst kurz ist.

Um dies sicherstellen zu können, ist eine mobiltaugliche Infrastruktur nötig. Einerseits ist eine Synchronisierung wichtig, die Datenmengen auf ein Minimum beschränkt und personalisierte Inhalte ausliefert. Andererseits muss auch das Mobile Content Management so konfiguriert sein, dass die Inhalte auf einfachste Weise aktuell gehalten werden können.

Interaktion erhöht das Vergnügen

Eine attraktive User Experience besticht auch durch gute Interaktionsmöglichkeiten. Funktionen wie Ratings oder Favoriten sind ein guter Anfang. Aber auch Sharing, Umfragen und Feedbacks sind beliebte Interaktionsmöglichkeiten, die wiederum die kontextbasierte Personalisierung unterstützen. Spiel-typische Elemente wie Punkte sammeln und Vergleiche mit Kollegen – das Stichwort hier lautet Gamification – erhöhen das Engagement zusätzlich.

Push- und In-App-Messages wiederum aktivieren die Nutzer und bieten einen mobilspezifischen Mehrwert.

Die Eingabe ist jedoch ein wesentlicher Knackpunkt mobiler Geräte, insbesondere bei Mobiltelefonen. Hier gilt es, möglichst viel Tipparbeit durch Kontext und weitere Funktionen wie Scanning, Fotos und Spracheingabe abzunehmen.

Solche mobile Interaktionsmöglichkeiten werden immer häufiger eingesetzt. Doch auch hier ist ein entsprechendes Backend nötig, um die Eingaben zu sammeln, auszuwerten und wieder an die Nutzer aus- zuliefern.

Agile Prozesse für mobile Dynamik

Viele Unternehmen tun sich schwer, mit dem rasanten Tempo mobiler Entwicklungen mitzuhalten. Da sich diese kaum langfristig abschätzen lassen, muss agil entwickelt und optimiert werden. Natürlich sollte bereits das Grundkonzept und -design mobiltauglich sein. Doch nur konstantes Ausprobieren und somit agiles Weiterentwickeln erlauben es, die jeweils aktuellen Erwartungen an die Mobile Experience attraktiv zu erfüllen.

Voraussetzung dafür sind nicht nur eine passende, mentale Einstellung, sondern auch eine entsprechende Infrastruktur: Apps und deren Änderungen müssen schnell lanciert und ihr Erfolg effizient analysiert werden können. Leistungsfähige und detaillierte Analysetools und A/B-Testing-Werkzeuge sind hierzu unverzichtbar.

Eine stets attraktive User Experience ist somit nicht nur eine Frage des Designs, sondern setzt vor allem eine mobiltaugliche Infrastruktur und Prozesse voraus, die die nötige Agilität erlauben.

Originalartikel/Quelle: www.netzwoche.ch

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