Jorgos Brouzos, Handelszeitung, 6. Oktober 2011

Terria Mobile – Die Basler Softwarefirma verdient mit der Pflege von Apps gutes Geld. Denn viele Unternehmen sind mit der Betreuung überfordert.

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Die jüngste Präsentation des neuen iPhones von Apple sorgt mitten in der Basler Fussgängerzone für beste Laune. In einer schummrigen Seitengasse liegen die Büros von Terria Mobile. Das junge Softwareunternehmen reitet gerade erfolgreich auf der Welle der mobilen Kommunikation.

Vier Buchstaben bescheren den Baslern wachsende Umsätze. Das Jungunternehmen ist spezialisiert darauf, Apps auf dem neusten Stand zu halten. Die Lösung für die kleinen Programme ist europaweit einzigartig. Weltweit lässt sich die Konkurrenz der Basler an einer Hand abzählen.

“Der Schmerz nimmt zu”, bringt Firmenchef Robin Wirz sein Geschäftsmodell auf den Punkt. Damit meint er den Leidensdruck der Unternehmen, verschiedene Apps für mehrere mobile Plattformen handhaben zu müssen. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Monaten eine App entwickelt und verbreitet. Nun sind die Apps unterwegs und müssen gepflegt werden. “Die Kunden wollen nicht mehr einfach eine App, sie haben mehrere Programme im Umlauf und diese wachsen ihnen über den Kopf, so Wirz.

Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand für die Pflege. In grösseren Firmen haben oft verschiedene Abteilungen Apps entwickelt und jetzt sollen diese unter einen Hut gebracht werden. Die Entwicklung lässt sich etwa mit derjenigen bei den Internetseiten vergleichen. Anfangs ging es einfach darum, einen Internetauftritt zu haben, mit der Zeit wurde er für die Firma wichtiger und immer komplexer.

Das Marktpotential ist riesig. Das iPhone vom US-Elektronikriesen Apple hat den Umgang mit dem mobilen Internet völlig verändert. Laut dem Marktforscher Net-Metrix gehen in der Schweiz bereits 2 Millionen Nutzer mit mobilen Geräten ins Internet. Mit ihnen hielten Apps Einzug. Weit über 400000 Apps für Apple-Geräte und über 300000 Apps für Android-Smartphones und Tablets sind bereits im Umlauf.

Android und Apple zählen
Launchbase heisst die Lösung von Terria Mobile, die den Unternehmen bei der Pflege der Apps unter die Arme greifen soll. Sie ermöglicht, dass Unternehmen ihre Apps selbst auf dem Laufenden halten können. So muss nicht jedes Update von Apple abgesegnet werden, um auf die Handys oder Tablets der Kunden oder Mitarbeiter zu gelangen. Das spart bis zu sieben Werktage, in denen Apple die App prüft, und einen beträchtlichen Arbeitsaufwand. Braucht etwa der Aussendienstler die neusten Produktinfos, werden ihm diese beim Starten des Programms aufgespielt. Dabei lässt sich auch der Funktionsumfang der App ausweiten. Dieses Angebot ist europaweit einzigartig.

In den USA bieten zwei Unternehmen einen ähnlichen Rundumservice an. Zusätzlich verfügt Launchbase über eine Löschfunktion. Sie kommt zum Einsatz, wenn das Tablet des Kundenberaters verloren geht und sich noch wichtige Firmendaten auf dem Gerät befinden oder wenn der Ex-Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten mehr haben soll. Das Produkt findet derzeit bei Banken, Pharmaunternehmen oder Medizinaltechnikfirmen Anklang. So entwickelt etwa Terria Mobile einen Simulator einer elektronischen Pipette von Mettler-Toledo. Damit können Kunden die neuen Funktionen der Pipette testen, ohne dass Mettler-Toledo die sensiblen Geräte abgeben muss.

Mittlerweile reicht es nicht mehr, einfach eine iPhone-App anzubieten, auch die Kundschaft mit Android-Geräten muss berücksichtigt werden. In den USA haben die Android-Geräte Apple bereits überholt. Laut den Marktforschern von Nielsen habe Android-Smartphones einen Marktanteil von 43 Prozent, Tendenz steigend. iPhones verharren auf einem Marktanteil von rund 30 Prozent. In der Schweiz sind die Apple-Handys sehr beliebt, doch auch hier hat sich Android als zweite Kraft etabliert. “Für unsere Kunden zählen beide Systeme”, sagt Wirz. Der Aufwand für eine Android-App ist nicht grösser als für eine iPhone-App, die Vielzahl an Android-Geräten macht die Pflege jedoch komplexer. Andere Betriebssysteme, wie etwa Windows Mobile, spiele kaum eine Rolle.

Grosses Vorbild um die Ecke
Bislang beschäftigt Terria Mobile sieben Mitarbeitende. Über den Umsatz macht das Unternehmen keine Angaben. Finanziell beteiligt sind die drei Gründer und ein Private-Equity-Investor. Zwar habe das Unternehmen nicht vom ersten Tag an schwarze Zahlen geschrieben, doch: “Es läuft alles nach Plan”, ist Wirz überzeugt. Ein Büroraum ist noch frei und wartet auf neue Programmierer. “Wenn die Aufträge weiter so zunehmen, müssen wir sicher bei den Mitarbeitern mitwachsen”, so Wirz. Terria hat einen prominenten Nachbarn, der bereits vorgemacht hat, wie rasch eine Wachstumsstory ablaufen kann. Day Software residiert nur 200 Meter entfernt.

Die beiden Unternehmen stehen sich auch geschäftlich nahe. Day hilft Unternehmen ihre Internetseite zu pflegen, Terria macht dasselbe bei den Apps. Terria-Firmenchef Wirz zählte zu den ersten Mitarbeitern von Day und der einstige Day-Entwicklungschef David Nüscheler sitzt seit kurzem im Verwaltungsrat von Terria Mobile. Übrigens: Day wurde vor wenigen Monaten für 250 Millionen Franken vom Software-Riesen Adobe übernommen.

Quelle des Originalartikels:
www.handelszeitung.ch

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