by Robin Wirz (Gastauthor), Computerworld 18. July, 2014

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Zuerst hat uns das Internet das Home Office ermöglicht. Nun katapultiert uns die Cloud
in eine ganz neue Dimension von Mobilität: Der Arbeitsplatz wird orts- und zeitunabhängig. Was bedeutet das für Geschäftsanwendungen?

Wer mobil arbeitet, kann seine Zeit ideal nutzen und ist deshalb potenziell produktiver als andere, stationäre Arbeitskräfte. Für die Unternehmen bringt das einen wirtschaftlichen Nutzen. Für die IT-Abteilungen bedeutet das jedoch erst einmal viel Arbeit, denn sie müssen ihren Mitarbeitenden diese neue Flexibilität erst einmal ermöglichen, indem sie die Geschäftsanwendungen mobilisieren. Dabei gilt es, die verschiedensten Aspekte, zum Beispiel User Experience oder Gerätevielfalt, zu berücksichtigen.
Mobile Arbeiter möchten immer und überall arbeiten können, sei es auf dem Arbeitsweg, einer (Geschäfts-)Reise oder im Gang zwischen zwei Sitzungen. Erst dadurch wird eine effiziente, Standortunabhängige und produktive Arbeit möglich. Dank moderner Smartphones sind mobile Mails alltäglich und selbstverständlich geworden. Doch das ist nur ein erster Schritt. In einem nächsten Schritt geht es darum, den mobilen Zugriff auf Geschäfts- Systeme und Daten zu gewähren und diese für die verschiedenen Endgerate aufzubereiten.

Herausforderung für die IT

Es gibt zwar viele Anwendungen, die mobilisiert werden können. Wesentlich ist jedoch, dass vor allem diejenigen Kernsysteme mobil nutzbar gemacht werden, die für die Arbeit der jeweiligen Mitarbeiter am wichtigsten sind. Die Mobilisierung von Geschäftsanwendungen stellt die Unternehmen dabei vor ganz neue Herausforderungen. Die Vielfalt der eingesetzten mobilen Geräte ist eine davon. Laut einer Studie der Gartner Group möchten sich die „mobile worker“ nicht auf ein bestimmtes Device beschränken lassen, sondern je nach Situation verschiedene Geräte einsetzen, vom Smartphone über das Tablet bis zum Laptop – in naher Zukunft auch Smartwatches oder was sonst noch auf den Markt kommt. Gartner schätzt, dass mobile Arbeiter bis 2016 drei bis fünf verschiedene Geräte benutzen werden.

Die Unternehmen sind durch die kombinierte Vielfalt von Geräten und Systemen gefordert, ihre Geschäftsanwendungen entsprechend vielseitig zu mobilisieren. Dabei geht es nicht nur um den Zugriff über die unterschiedlichsten Geräte, sondern auch darum die Darstellung der Inhalte an die jeweilige Situation visuell und funktionell anzupassen.

User Experience & Consumerization

Mobile Arbeiter erwarten aber nicht nur einen einfachen mobilen Zugriff auf Unternehmens-Systeme und Daten. Sie erwarten auch, dass sie dabei eine erstklassige User Experience (UX) erleben. Diese entscheidet bekanntermassen bei Apps generell über deren Erfolg oder Misserfolg. Es ist also kein Wunder, dass die User Experience auch bei mobilen Geschäftsanwendungen eine zentrale Rolle spielt. Hier heisst das Stichwort Consumerization. Die Mitarbeitenden sind aus ihrem privaten Alltag mobile Apps mit hervorragender Bedienungsfreundlichkeit gewohnt, denn Apple & Co. haben seit jeher grossen Wert auf die Usability gelegt. Darum erwarten die Anwender heute auch von Unternehmens-Apps dasselbe Niveau an Nutzerfreundlichkeit.

Die Zeiten, in denen die Mitarbeiter mit komplexen Applikationen und hässlichen Bedienoberflächen abgespeist werden konnten, sind schon lange vorbei. Für die eigenen Mitarbeitenden müssen bei der User Experience daher die gleichen, hohen Massstäbe gelten wie für die Kunden. Wenn also das Nutzungserlebnis mobiler Geschäftsanwendungen nicht stimmt, werden die Mitarbeiter sie ganz einfach nicht nutzen, wodurch die erhoffte Produktivitätssteigerung der mobilen Arbeit ausbleibt.

„Everything Everywhere“ ist falsch

Mit einem hübschen Interface-Design ist es jedoch noch lange nicht getan: Um auf den verschiedenen Geräten – mit unterschiedlichen Bildschirmgrössen und Interaktionsmöglichkeiten – jeweils ein attraktives Nutzererlebnis zu ermöglichen, müssen Unternehmenssysteme mobiltauglich gemacht werden. Dabei geht es nicht nur um die Qualität des mobilen Zugriffs (etwa auch bei einer langsamen Internetverbindung ansprechend schnell zu funktionieren), sondern darum, das System an die Charakteristika der unterschiedlichen mobilen Geräte anzupassen.

„Everything Everywhere“ ist dabei der falsche Ansatz, weil er alles über einen Kamm schert, statt die oftmals komplexen Systeme für verschiedene Geräte und das Nutzungsverhalten der Mitarbeitenden aufzuschlüsseln. Eine Geschäftsanwendung muss vielmehr in Form mehrerer Apps aufbereitet und ausgegeben werden: eine Nachricht auf der Smartwatch. ein Ferien- oder Budget-Approval auf dem Smartphone, ein Dashboard auf dem Tablet oder das ganze System auf dem Laptop.

Dabei ist auch zu berücksichtigen. dass die mobilen Mitarbeiter abwechselnd mit den verschiedenen Geräten auf dieselben Systeme zugreifen. Und sie erwarten, dass das Gesamtsystem weiss, was sie vorhin auf einem anderen Gerät getan haben. Damit werden Redundanzen vermieden und ein einheitliches Nutzererlebnis ermöglicht. Zudem sollten sich auch die Apps selbst den jeweiligen Gegebenheiten und dem Kontext – Standort, Nutzungshistorie, Einstellungen etc. – anpassen. Auch das erhöht Bedienungskomfort und -erlebnis.

Die bestehenden Unternehmenssysteme werden zwar auch in Zukunft noch gebraucht, aber für die Mobilisierung in kleinere Stücke zerlegt, mit zusätzlichen Funktionen versehen und auf verschiedene Weise ausgeliefert und dargestellt.

Agil zum Ziel

Dafür ist selbstverständlich auch eine entsprechende Mobile-Infrastruktur erforderlich. Diese löst einerseits die mobil-typischen Herausforderungen wie langsame oder fehlende Internetverbindungen (mittels Synchronisation) und Gerätevielfalt (Ausgabe in verschiedenen Formaten und Variationen). Andererseits bietet sie die Möglichkeit, Inhalte und Funktionen personalisiert und kontextbasiert den Benutzern zur Verfügung zu stellen. Die Mobile-Infrastruktur garantiert zudem ein einheitliches Nutzererlebnis über verschiedene Geräte hinweg und dient generell als Schaltstelle zwischen Backendsystemen und den mobilen Nutzern.

Zudem muss die Infrastruktur auch agile Entwicklungsprozesse unterstützen. Die extreme Dynamik der mobilen Welt, mit ständig neuen Geräten, Technologien und Möglichkeiten, erfordert allgemein schon ein agiles Vorgehen. Dach auch die User Experience sollte agil entwickelt und laufend optimiert werden. Denn nur so trifft man stets Nerv der Benutzer. Wichtig ist hier, das Nutzungsverhalten laufend zu analysieren, um es entsprechend optimieren zu können.

Damit wird das Mobile Experience Management (MXM) zur strategischen Komponente der mobilen Arbeit. Apps und deren Änderungen müssen entsprechend schnell lanciert und ihr Erfolg effizient analysiert werden können. Leistungsfähig und detaillierte Analyse-Tools und A/B-Testing-Werkzeuge sind dafür unverzichtbar.

Mobilisierung lohnt sich

Die Mobilisierung des Geschäfts und seiner Systeme ist zweifellos ein anspruchsvolles Unterfangen. Unternehmen, die sich darauf einlassen, werden jedoch mit den vielen, daraus resultierenden Vorteilen belohnt: die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter, die jetzt flexibel arbeiten können, wann und wo sie wollen, steigt deutlich. Verschiedene Studien gehen von einer Produktivitätssteigerung von 10 bis 20 Prozent aus. Doch eigentlich haben die Unternehmen heute sowieso keine Wahl mehr, denn immer mehr Mitarbeitende erwarten genau eine solche mobile Arbeitsweise. Wer im Kampf um die besten Talente mitmachen will, kommt um die Mobilisierung des Geschäfts und reiner Systeme nicht herum.

Originalartikel/Quelle: www.computerworld.ch

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